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Pepe, komm nach Deutschland
12. Februar 2011
news.de - Hoffnungsschimmer Alemania: Die Arbeitslosigkeit in Spanien liegt bei 20 %, bei jungen Leuten doppelt so hoch. Die Hotelschule Rostock bietet Vorbereitungskurse für eine betriebliche Lehre in Deutschland.
Auszug des Original-Artikels:
Nun sucht Deutschland Fachkräfte und Spanien erinnert sich an Gastarbeiter «Pepe». Kommt die zweite Emigrationswelle?
¡Vente a Alemania Pepe! (Komm nach Deutschland, Pepe) ist ein Klassiker des spanischen Kinos. Der beliebte Volksschauspieler Alfredo Landa spielt Pepe - und Pepe ist der Gastarbeiter schlechthin. Ende der 1960er zieht er mit der unvermeidlichen Chorizo-Wurst im Rucksack aus einem spanischen Kuhdorf ins Wirtschaftswunder Deutschland. Auch um zu arbeiten, und zwar fast rund um die Uhr, aber viel mehr noch, um große Blonde zu bestaunen. Regisseur Pedro Lazaga ist Komödienfilmer, und so hat sich Gastarbeiter Pepe in der kollektiven Erinnerung als sympathischer Clown festgesetzt.
Dass bittere Armut dem Phänomen zugrunde lag, ist ein bisschen in Vergessenheit geraten. Aber jetzt ist Pepe zurück. ¡Vente a Alemania Pepe! nennt auch Rosalía Bayón González ihren Leserbeitrag in der spanischen Tageszeitung El País. «Für mich ist derzeit die Emigration mit der Chorizo im Rucksack, wie meine Oma es in den 1960er Jahren gemacht hat, die einzige Möglichkeit, die ich aufgrund unseres Problems sehe», schreibt die junge Frau.
«Unser Problem», das ist die Arbeitslosigkeit, über die man in Spanien spätestens im zweiten Satz jedes Gespräches stolpert. «Wir», das sind nicht nur, aber vor allem die jungen Leute. Über 40 Prozent ist die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen bis 25 inzwischen gestiegen, besagen Zahlen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO). In Deutschland sind es demnach 9,3 Prozent.
Leicht ist es für junge Spanier seit Langem nicht, sich beruflich zu etablieren, gerade Geisteswissenschaftler konnten schon in den Zeiten vor der Krise froh sein, wenn sie 1000 Euro im Monat verdienten. «Mileuristas», «1000-Euro-Verdiener» ist daher der Spitzname für die Glückspilze, die nach langen Perioden als Praktikanten doch mal einen zeitlich befristeten Vertrag abstaubten. Mit der «crisis» ist alle Hoffnung geschwunden.
Es wird einem nichts geschenkt - auch nicht in Deutschland
Am 12. Januar geht eine Meldung durch die spanische Presse: «Medicall Group bietet 500 Ausbildungsverträge in Deutschland für junge Arbeitslose». Das ist der Startschuss, der in Spanien die zweite «Pepe»-Welle ins Rollen bringt. «Wir waren sozusagen die Vorreiter», sagt Christian Seefried, der deutsche Geschäftsführer des Unternehmens mit Sitz an der spanischen Südküste. Darauf gekommen ist er bei einem Gespräch mit dem Leiter der Hotel- und Gastronomieschule in Rostock darüber, dass in Mecklenburg-Vorpommern Leute fehlen, um die Arbeitsplätze in der Gastronomie der Ostseeküste zu besetzen.
«Das Projekt ist wirklich ausgeartet», sagt Seefried. 1000 Bewerbungen hat er inzwischen, dabei sind 500 Personen das absolute Maximum, die auch nicht auf einmal, sondern nach und nach in Rostock ausgebildet werden sollen. Ende Februar starten erste Seminare, noch in Spanien, «um die Leute ein bisschen zu schocken», wie Seefried sagt. «Viele wissen nicht, worauf sie sich einlassen. Es wird einem nichts geschenkt. Sie sind Ausländer in Deutschland und müssen besser sein als der gleichwertige Deutsche, das muss man ihnen klarmachen, bevor sie umziehen und das Geld der Familie ausgeben», betont der Medicall-Geschäftsführer.
Als zehn Tage später der Hamburger Unions-Politiker Michael Fuchs dem Spiegel zum Stichwort Fachkräftemangel sagt, es gebe im Süden Europas viele arbeitslose Jugendliche, die dringend einen Job suchen, ist «Pepe» in Spanien in aller Munde. «La Merkel» kündigt an, das Thema beim Treffen mit Ministerpräsident José Luis Rodriguez Zapatero am 3. Februar ansprechen zu wollen, und Nachrichtensendungen und Comedy-Programme erinnern sich an Alfredo Landa. 500.000 bis 800.000 Fachkräfte würden hierzulande benötigt – da ist doch wieder Hoffnung.
Zumal auf der Website der Deutschen Botschaft in Madrid eine Annonce aufgetaucht ist. Die Vertreter der Zentralen Auslandsvermittlung aus Bonn haben bei einer Konferenz am 27. Januar gemeinsam mit den spanischen Kollegen beschlossen, ihre Zusammenarbeit zu verstärken. Ingenieure, Gesundheitspersonal, Wissenschaftler und Fachleute in Gastronomie und Tourismus sind erwünscht. Weitere Voraussetzung: ein zumindest mittleres Deutsch-Niveau, ist auf der Botschaftsseite zu erfahren. «An den ersten beiden Tagen gab es mehr als 3000 Anrufer», sagt der zuständige Sprecher des spanischen Arbeitsministeriums in Madrid.
jag/reu/news.de
Vollständiger Original-Artikel vom 10. Februar 2011 auf www.news.de
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